GehirngewitteR

Stolze 16, dauernd müde, totaler Fussballfan(BARCA!!!!), leidenschaftliche Sängerin (obwohls schrecklich klingt^^), TOKIO HOTEL SÜCHTIG, F4A-Mitglied, nicht ganz normal und einfach nur VERRÜCKT... WIESO TRINKEN TOKIO HOTEL RED BULL? ENGEL HABEN DOCH SCHON FLÜGEL...loool
Kapitel 1

Unverändert zog die Landschaft an mir vorbei. Wälder, Wiesen, Felder, Städte. Und das schon seit über 3 Stunden. Ich seufzte.
3 Stunden Autofahrt. 3 Stunden das gleiche Lied : „something in the way“ von Nirvana. 3 Stunden der gleiche Schmerz.
Meine Gedanken wanderte zurück, zurück zum Anfang. Als ich 6 war, ließen sich mein Vater und meine Mutter scheiden. Beide waren noch total jung gewesen. Er zog weg, ich weiß nicht, wohin, aber Ostern, Weihnachten und Geburtstag schickte er immer Geschenke, Karten, und Geld. Aber er hatte mich zurückgelassen, mich und meine 4 Jahre jüngere Schwester Macy, die neben mir saß und, genau wie ich, schweigend aus dem Fenster sah.
Mum hatte uns jetzt auch alleine gelassen. Sie hatte uns verlassen, unfreiwillig und ohne leb Wohl sagen zu können. Sie hatte uns verlassen bei einem Autounfall, einen Tag vor meinem 16. Geburtstag. Sie war gerade mal 32 geworden.
Erinnerung. Das blieb uns noch.
Und jetzt wurden wir von einem wildfremden Mann, irgendso ein Sozialheini, zu unserem einzigen noch lebenden Verwandten gefahren; unserem Vater. Und der lebte Hunderte Kilometer von unsrem geliebten Konstanz weg. In Hamburg. Oder irgendwo da in der Gegend.
Wäre ich unter anderen Umständen nach Hamburg gekommen, hätte ich mich wahrscheinlich gefreut wie ein Schnitzel. Immerhin war das Tonstudio von Tokio Hotel da. Und außerdem war Hamburg einfach eine geile Stadt. Und meine Freundinnen hätten mich beneidet.
Aber nicht unter diesen Umständen.

Plötzlich tat sich etwas in mir. Ja, verdammt, meine Mutter war tot, meine Freundinnen und Freunde ewig weit weg, aber, hey, das Leben geht weiter. Und man muss loslassen können.
Ich langte so schnell nach meiner Tasche, dass Macy erschrocken zusammenzuckte, aber das kümmerte mich nicht, ich kramte, bis ich gefunden hatte, was ich suchte: Abschminktücher.
Das viele Schwarz um meine Augen verschwand, ich ersetzte es durch ein helles, freundliches Grün, das meinen ebenfalls grünen Augen einen nicht ganz so traurigen Eindruck verlieh. Uns es stand mir auch viel besser als das dunkle Schwarz. Aber na ja, schwarz geschminkte Augen und blonde Haare...
Augenblicklich begriff Macy, was mit mir los war. Sie fing an zu grinsen, zog ihren schwarzen Pullover aus und saß plötzlich in ihrem Lieblingshirt, ein rosa Ed Hardy Shirt, da.
Der Sozialheini vor uns starrte uns mit seltsamen Blick durch den Rückspiegel an, aber dann musste auch er lächeln. Plötzlich streckte Macy ihm eine CD entgegen.
„Können Sie die reintun? Nr. 3 bitte.“
„Nennt mich doch Frank, ok? Ich hasse es, wenn ich gesiezt werde, dann komme ich mir immer so alt vor.“
Wir nickten und keine Minute später dröhnte eine mir bekannte Melodie aus den Boxen. Das Grinsen in Macys und meinem Gesicht nahm gigantische Ausmaße an.
„Ab heute sind die Tage nur noch halb so lang
Zum Lachen gibt es gar nichts mehr
Gestern war vor 100.000Jahren
Morgen weiß es keiner mehr
Ab heute wird die Uhr durch `nen Countdown ersetzt
Die Sonne scheint auch in der Nacht
’tschuldigung Ich hab mal eben nachgedacht
Doch dafür ist jetzt wirklich keine Zeit…
Keine Zeit - Keine Zeit - Keine Zeit - Keine Zeit!

Leb die Sekunde
Hier und jetzt
Halt sie Fest
Leb die Sekunde
Hier und jetzt halt
Halt sie fest
Sonst ist sie weg!
Sonst ist sie weg...“
Wir sangen uns die Seele aus dem Leib, während Frank uns kopfschüttelnd beobachtete.
Nach dem letzten „halt sie feeeeest“ lächelte er uns freundlich zu.


Kapitel 2

„Ihr versteht wirklich viel vom Leben, ehrlich. Mehr als ich in eurem Alter.“ Sagte er.
Aha. Na und?
Wir sahen Frank fragend an und er fing an zu erzählen: „Als ich 15 war, starben meine Mutter und mein Vater. Ich war, genau wie ihr, alleine und musste zu einer Tante nach Köln ziehen. Ab da rutschte ich ab. Ich schwänzte Schule, betrank mich bis ich umkippte und nahm Drogen. Irgendwann brach ich mitten auf der Straße zusammen und kam in eine Entzugsklinik. Und dort wurde mir, nach über 3 Jahren, klar, was euch gerade klargeworden ist: man muss loslassen können. Das Leben geht weiter. Ich hatte verstanden, dass es meinen Eltern nicht gefallen hätte, wenn ich weiterhin im Selbstmitleid versunken wäre. Ihr habt keine 3 Jahre gebraucht, um das zu kapieren. Das bewundere ich.“
‚Amen.’ Dachte ich nur. Aber irgendwie hatte mich seine kleine rede echt bewegt. Ich war fast schon irgendwie stolz auf mich.
Wir schwiegen lange, bis Frank irgendwann an einer Raststätte hielt. Wir wollten eine halbe Stunde Pause einlegen.
Frank hielt neben einem schwarzen Van mit abgedunkelten Scheiben.
Macy ging Kaugummis kaufen und Frank verschwand auf die Toilette. Ich schaute mir den Van mal genauer an.
‚Wirklich geil, dieses Auto’ dachte ich mir, als ich vor der Windschutzscheibe stand.
„Cooler Van, oder?“
Erschrocken fuhr ich herum. Ein etwa 30-jähriger Mann stand vor mir und grinste mich freundlich an. Irgendwie kam er mir bekannt vor.
„Äääh, ja... es ist... echt cool.“ Stammelte ich.
Der Mann grinste. Wo hatte ich ihn schon mal gesehen?!
„Jill!“
Ich drehte mich um. Macy kam angerannt. Ihre Wangen glühten und ihre Augen strahlten.
„Du glaubst nicht, wen ich grad gesehen hab!“ rief sie völlig aus der Puste.
„Wen denn?“ fragte ich, neugierig, wer oder was meine Schwester so aus der Bahn gebracht hatte.
„TOKIO HOTEL!"
BAM!!!
"Du verarscht mich jetzt, oder?“
Ich war völlig schockiert. Tokio Hotel, hier?!
Macy schüttelte den Kopf.
Ich musste erst mal wieder klar denken. Wenn das jetzt wirklich stimmte... dann... dann würde ich sie ja SEHEN!
Ach du heiliges Stück Scheiße.
Plötzlich zupfte Macy an meinem Shirt.
„Jill, sie kommen.“ Flüsterte sie mit seltsam heiserer Stimme.
Und wirklich. Sie kamen. Alle vier. Sie kamen aus der Tanke, voll bepackt mit Cola und Chips.
Oh mein Gott. Ich konnte ihnen doch nicht so unter die Augen treten. Ich wollte gar nicht erst wissen, wie ich nach fast 5 Stunden Autofahrt aussah.
„Wo ist Frank?!“ presste ich mühsam hervor.
„Der wollte noch was essen.“ Murmelte Macy.
Scheiße. Jetzt, wo ich ihn brauchte, war er nicht da. Typisch Mann. Ich wollte hier weg.
Zum Glück wandten sich die Jungs erst dem Mann zu, der mir so bekannt vorkam.
„Wann fahren wir weiter?“
„Wenn ich von der toilette wiederkomme.“ Grinste er und verschwand Richtung Klo.
Nein! NEIN!!! Wieso ging der jetzt einfach weg?! Wie auf Kommando drehten sich die vier gleichzeitig zu uns.
„Hallo.“ Sagte Macy grinsend. Wie konnte sie jetzt noch grinsen?!
„Hi. Wer seid ihr denn?“ fragte Georg und sah mich an. Na geil. Jetzt musste ich ja was sagen.
„Ich bin Jill und das ist Macy.“ Murmelte ich.
„Schöne Namen.“ Grinste Tom „müssen wir euch unsere sagen?“
Er schaute mich mit seinem Checker-Blick an. Ich musste einfach grinsen.
„Nein.“ Meinte ich „wir wissen, wer ihr seid.“
Ich schaute die vier der Reihe nach an und mein Blick blieb bei Bill hängen. Gott, war der HÜBSCH!
Plötzlich schaute er auf und unsere Blicke trafen sich. Er starrte mich einen Moment lang an, dann drehte er den Kopf weg und tat, als suche etwas.
„Na dann ist ja gut.“ Tom riss mich aus meinen Gedanken.
„Und, was macht ihr hier in der Einöde? Wo wollt ihr hin?“ fragte Gustav plötzlich.
„Wir fahren zu unserem Vater nach Hamburg.“ Erklärte Macy.
Plötzlich tauchte der Mann wieder auf.
„Los, Jungs, verabschiedet euch, wir fahren. Ich bekomm doch heute noch Besuch.“
„Ja, ok.“ Murrten sie und umarmten uns. Nur Bill nicht. Dann stiegen sie in den Van.
Keine Minute später fuhren sie auch schon zurück auf die Autobahn.


Kapitel 3

Jetzt saßen wir wieder im Auto und wieder starrte ich aus dem Fenster.
Ich war noch ganz aus der Bahn.
Erst jetzt fiel mir auf, dass Bill kein Wort gesagt hatte. Schon komisch, bei Interviews oder so redete der doch wie ein Wasserfall. Das war schon irgendwie schade, Bill war doch der geilste in der Band^^
Plötzlich wandte Macy sich mir zu und meinte: „Schon seltsam oder, Bill hat kein Wort gesagt.“
Ich prustete los. Das kam zwar öfters vor, ich dachte etwas und sie sprach es aus, aber ich fand das irgendwie lustig. Das war das geniale an Macy, aber man konnte auch super mit ihr reden, über wirklich alles, obwohl sie 4 Jahre jünger war als ich und damit erst 12.
Plötzlich wurde ich ziemlich müde und kurz darauf schlief ich auch schon ein.

*Bills Sicht*
Ich schaute aus dem Autofenster. An mir zog die Landschaft vorbei; aber ich hatte nur ein Gesicht vor Augen. Immer wieder musste ich an sie denken. Würde ich diese Jill jemals wiedersehen? Wo sie wohl wohnte?
Verdammt, was war eigentlich los mit mir?!
‚Bill und Jill’ dachte ich und musste leicht grinsen ‚Bill und Jill’.
Verträumt sah ich aus dem Fenster.
„Bill!“
„Hmmm?“
Ich zuckte zusammen.
„Ich wollte wissen, ob es dir was ausmacht, ein Zimmer mit Tom zu teilen, bis ihr wieder heimfahrt. Sonst hab ich doch nur noch ein freies Zimmer und wenn mein Besuch kommt... ich mein, ich kann sie ja nicht zur Begrüßung in ein gemeinsames Zimmer stecken.“
„Ja, kein Problem. Wenn Tom einverstanden ist.“
„Natürlich, Mann. Sonst hätte David dich doch gar nicht erst gefragt. An was denkst du bitte gerade?“ Schaltete Tom sich ein.
Ich hob meinen Mittelfinger und sah wieder aus dem Fenster.
‚Bill und Jill...’

*Georgs Sicht*
Irgendwann hielt der Van endlich vor davids Haus in Hamburg. Wir fingen an auszupacken, ich hörte aus dem Nebenzimmer die ganze Zeit Geschrei. Anscheinend war es doch keine so gute Idee, die Twins in EIN GEMEINSAMES zimmer zu stecken.
Ich beschloss mal in Bills ehemaliges zimmer zu gehen, von da hatte man einen geilen Blick auf Hamburg.
Ich kämpfte mich durch Berge von Umzugskartons zum Fenser. Plötzlich fiel einer der Kartons geräuschvoll zu Boden und heraus fielen ein Haufen Klamotten, ein paar Bücher und ein bilderrahmen.
"Fuck!" fluchte ich und begann, die Sachen wieder in den Karton zu stopfen.
"Man georg, kannst du nicht mal aufpassen!"
Tom kam grinsend ins zimmer und bückte sich, um mir zu helfen.
"Die Begegnung heute hat Bill ja ganz schön aus der Bahn geworfen." meinte er plötzlich.
"Meinst du heute an der Tanke?"
"Jep." sagte Tom und grinste schweinisch "aber diese Jill sah ja auch echt geil aus."
"Ach komm, die sehen wir eh -"
Ich stockte. In der Hand hielt ich den Bilderrahmen.
"Was ist?" fragte Tom neugierig und sah mir über die Schulter. Er atmete geräuschvoll aus.
"Oh." machte er dann.
Auf dem bild war eine noch ziemlich junge, hübsche Frau und links und rechts jeweils ein Mädchen, die ihr ziemlich ähnlich sahen.
Die beiden von der Tankstelle.
Tom begann zu grinsen: "die sehen wir eh nie wieder, was?!"
Wir prusteten los.
"Zeigen wir's Bill?" fragte ich nachdem wir uns wieder beruhigt hatten.
"Nein." entschied Tom. "Ich will sehen, wie ihm nachher die Augen aus dem Kopf fallen."
Ich checkte nicht ganz, was er damit meinte, aber wir gingen in die Küche und zeigten Gustav und David das Bild.
Für einen Moment schien es David die Sprache zu verschlagen. Dann meinte er: "Die beiden kamen mir gleich so bekannt vor."
Er schüttelte ungläubig den Kopf.
"Und dabei sehen sie doch aus wie ihre Mutter." fügte er leise hinzu.
Plötzlich fing er aber an zu grinsen: "Na Tom, das wird deinen Bruder aber freuen."
Er hatte es also auch gemerkt.


Kapitel 4

*Jills Sicht*
"Jill, aufwachen, wir sind da!"
Ich schlug die Augen auf und schaute in Macys eisblaue Augen.
"Bin schon wach." murmelte ich und stieg aus.
Wir standen vor einem großen, weißen Haus.
"Cool, oder?" grinste Macy.
Ich nickte und hoffte im stillen, dass unser Vater genauso cool war wie unser neues zu Hause.
Frank trat vor und drückte die Klingel.
Ich atmete tief durch. Wie würde er sein? Würde ich ihn wiedererkennen?
Plötzlich wurde die Tür aufgerissen.
Erschrocken zuckte ich zurück. Vor mir stand er. Der Mann von der Raststätte.
Er lächelte uns an. Dann kam er auf uns zu und umarmte uns.
"Ich hab die ganze Zeit gerätselt, wieso ihr mir so bekannt vorkommt. Meine Mädchen..."
Ich grinste ihn an und da sah ich etwas in seinen Augen verdächtig glitzern.
"Kommt doch erstmal rein..." meinte er, hielt dann aber inne und fügte hinzu: "Erschreckt euch nicht, ich habe noch Besuch da."
Macy und ich folgten ihm durch einen geräumigen Flur, in dem überall SChallplatten an den Wänden hingen in die Küche. Frank wollte schonmal die koffer ins Haus schleppen.
Bevor ich die Küche betrat, musste ich noch kurz nachdenken. Besuch? Waren am Ende noch... Nein, die konnten doch unmöglich... das ging doch nicht...
"Kommst du, Jill?" fragte Macy. Ich nickte und sie zog mich am Ärmel in die Küche. Ziemlich modern mit riesiger Kochstelle und gigantischem Külschrank. Cool.
Wir setzten uns an den großen Esstisch, er war gedeckt. Für 8 Personen. Hilfe, wer wollte denn da noch alles kommen?!
In dem Moment ging die Tür auf und Frank kam herein.
"Hr. Jost, ich müsste dann noch den ganzen Papierkram mit Ihnen besprechen."
"Ja, ist gut. Ihr könnt ja schonmal das Haus erkunden."
Er grinste uns an: "Geht mal als erstes ins Wohnzimmer, ok? Gleich da rechts."
Wir nickten und ich zog Macy raus. Bevor sie die tür zum wohnzimmer öffnete, sagte ich eindringlich: "Macy, versprich mir, dass du niemandem, wirklich NIEMANDEM erzählst, dass ich auf Bill von TH steh, ok? Niemandem!"
Macy sah mich misstrauisch an, aber dann grinste sie: "Ich versprechs."
Dann öffnete sie die tür...


Kapitel 5

...Und schloss sie gleich wieder.
"Jill, was soll das hier eigentlich alles?!"
"Wieso was denn?"
"Du weißt ganz genau, was ich meine: was machen DIE hier?"
Ich zögerte. So viel hatte ich auch ncht gecheckt.
Nur das unser Vater der Produzent von Tokio Hotel war.
"Wieso?" fragte ich unschuldig "Wer ist denn im Wohnzimmer?"
"Schau doch selber." murmelte Macy.
Plötzlich wurde die Tür aufgerissen.
Gustav.
Wie versteinert stand ich da (mal wieder) und starrte ihn an.
"Lange nicht gesehn." grinste er und winkte uns hinein.
Das Wohnzimmer war genauso cool wie die Küche und total modern eingerichtet mit einem PlasmaTV, daneben stand eine gigantische Stereoanlage.
Auf dem riesigen schwarz-weißen Sofasaßen Tom und Georg, die uns auch mit breitem Grinsen begrüßten. Vor ihnen ungefähr 100 leere Red Bull-Dosen.
Aber wo war Bill? Man verdammt...
Ich sah Macy hilflos an und sie begriff sofort, was los war.
"Darf ich Autogramme haben?" fragte sie mit Dackelblick.
"Klar."
Die Jungs unterschrieben auf einer serviette. Dann meinte Macy: "Und was ist mit Bill? Wo ist der überhaupt?"
Bong.
Allgemeines Grinsen unter den Jungs.
"Der ist in seinem Zimmer und wollte alleine sein. Ihr könnt ihn ja mal besuchen." meinte Georg.
"Aber wenn er alleine sein will..." sagte Macy plötzlich.
Dämliches kleines Gör, was soll das jetzt? ICH WILL BILL SEHEN!
"Haste auch wieder Recht." meinte Gustav, erhob sich unter einem lauten Ächzen und schlürfte Richtung Küche, um 2 Minuten später mit 3 Red Bull zurückzukommen.
Eins für ihn.
Eins für Macy.
Eins für mich.
"Danke." grummelte Tom und beanspruchte kurzerhand mein Red Bull zur Hälfte für sich.
Ich grinste: "Nimm ruhig." und beobachtete ihn beim Trinken.
Klarer Fall, er sah mindestens genauso gut aus wie Bill.
Dong.
Was sollte dieser scheiße Satz jetzt?!
... Mindestens so gut wie Bill...
Eindeutig falsch formuliert. Bill sah besser aus. Gaaanz sicher.
ganz sicher?

Ich hing meinen Gedanken nach, überlegte hin und her, was ich jetzt machen sollte und hatte um mich herum alles vergessen. Das zahlte sich aus.
Plötzlich ging nämlich die Tür auf.
"Tom, hast du meinen Kajal gesehen?"
"Nö, frag doch Jill."
Ich schreckte hoch: "was ist mit mir?"
"Du sollst bill deinen Kajal leihen- du hast doch einen, oder?"
"Bill? Bill wer?"
Ich schaute zur Tür- und erstarrte.
Bill.
Fuck.
Er starrte mich mindestens genauso erschrocken an.
Und dann, ohne ein weiteres Wort, schloss er die tür und war wieder weg.
Hinter mir prusteten die Jungs los.
"Wasn?" fragte ich irritiert.
"Sach ma, hastes immer noch nicht gecheckt? Bill kriegt nie ein Wort raus, weil er total auf dich steht!" preste Tom zwischen mehreren Lachattacken hervor.
Mir blieb der Mund offen stehen.
Das war echt kein guter Witz. Verarschen konnte ich mich selber.
"Im Ernst?!" fragte Macy plötzlich. Ich hatte sie vollkommen vergessen.
"Jaaah!!" krähte Georg und wurde von einem neuen Lachanfall geschüttelt.
Macy sprang plötzlich auf, packte mich am Handgelenk und zog mich aus dem Wohnzimmer.
"Was... wo willst du hin?"
Ohne einen kommentar zog sie mich die Treppe hoch in die obere Etage.
"Was- Macy!"
"Ssscht!"
Ich musste etwas grinsen. Meine 12 Jahre alte Schwester gab mir Kommandos.
Der Reihe nach klopfte sie an die ganzen Türen, bei der dritten hörten wir ein knurren: "Lasst mich in ruhe Jungs!"
"Jungs?!" rutschte es aus mir herraus.
Fußgetrappel. Und dann wurde die Tür von innen aufgeschlossen.
"Was soll-" fing Bill an, dann sah er mir direkt in die augen, zuckte zurück und schloss die Tür wieder.
"Dann halt nicht." murmelte Macy und ging wieder runter.
Ich zögerte. Er hatte nicht abgeschlossen.


Kapitel 6

Langsam drückte ich die Klinke. Kein laut von drinnen. Leise öffnete ich dir Tür und trat ein.
Überall im Raum standen Kisten und Kartons, alle mit einem roten Punkt versehen. Also meine Sachen. Und wirklich, mein Schrank und mein Bett waren auch schon da.
Aber da war noch etwas. Am Fenster. Bill.
Langsam ging ich auf ihn zu, bis ich direkt hinter ihm stand. Er sah aus dem Fenster.
Plötzlich drehte er sich um und sah mich an. Intensiv. Ich hatte das Gefühl, er blickte in meine Seele. Mit seinen unglaublich braunen Augen.
Ich weiß nicht, wie lange wir dort standen und uns einfach anschauten, aber dann wandte er sich ab und ging. Ohne irgendein Wort.
Ich sah ihm nach und seufzte. Was war das jetzt gewesen?
Ich drehte ging zum Fenster und sah hinaus. Der Ausblick war einfach wunderschön. Man sah ganz Hamburg vor sich, mittlerweile dunkelrot im Licht der untergehenden Sonne. Traumhaft.
„Deswegen hab ich das Haus damals gekauft.“ Sagte plötzlich eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um. Mein DAD.
„Das ist echt wunderschön.“ Lächelte ich.
„Ja, das ist es...“ sagte er und umarmte mich.
Plötzlich gellte ein Schrei durch das Haus und danach ein: „HILFEEEEEEE!!!“
Fußgetrappel.
„Bill? Was ist denn los?“ rief Tom laut, der die Treppe raufrannte. Ich ging auf den Flur. Dort sah ich dann, was so schlimm war.
Bill stand zitternd in einer Ecke und direkt vor ihm saß eine fette Spinne.
Tom lag mittlerweile schon auf dem Boden und lachte Tränen.
Ich grinste. Aber irgendwie tat Bill mir Leid, also hob ich die spinne auf und trug sie auf den Balkon, wo ich sie auf eine große Holzbank setzte.
Dann ging ich zurück und meinte zu Bill, der anscheinend immer noch unter Schock stand: „Jetzt ist die böse, böse Spinne weg.“
Das löste bei Tom einen neuen Lachflash aus, Bill aber sah etwas angesäuert drein.
Plötzlich erstarrte ich. Ich hatte gerade BILL KAULITZ vor einer Spinne gerettet und einfach so mit ihm geredet.
Ich spürte die Röte in mein Gesicht kriechen und wirbelte herum. Dann rannte ich runter und aus dem Haus. Einfach nur die Straße entlang.
Irgendwann blieb ich stehen.
Was war eigentlich los mit mir? Ich führte mich ja schlimmer auf als eine 3-jährige, die zum ersten Mal im Kindergarten ist.
Tief durchatmen.
Und dann zurückgehen.
Ohne von irgendjemandem gesehen oder aufgehalten zu werden ging ich wieder ins Haus und direkt in mein Zimmer. Dann legte ich mich auf mein Bett und mir fielen sofort die Augen zu.


Kapitel 7

An nächsten Morgen wachte ich relativ früh auf. Es war gerade mal kurz nach 7.00 Uhr. Ich hüpfte die Treppe runter und rannte natürlich erst mal voll in jemanden rein.
„Kannst du nicht aufpassen.“ grummelte ich und rieb mir eine Schulter, mit der ich auch noch voll gegen einen Schrank geprallt war.
„Ja sorry.“ Kam es leicht angepisst und irgendwie zickig zurück. Ich sah auf.
Wer war das denn?!
Vor mir stand ein Junge mit wasserstoffblonden Haaren, wahnsinnig sexy...
Aber er sah wirklich nicht schlecht aus.
Nur sah er mich gerade etwas angesäuert an: „Wenn du sie jetzt geweckt hast, bring ich dich um.“
Von oben kam kein einziger Ton.
„Wer bist du eigentlich?“ rutschte es mir irgendwann raus, nachdem wir uns in die Küche gesetzt und angeschwiegen hatten.
„Wer bist eigentlich DU? Was macht ’n Mädel hier im Haus? Hat Tom dich mitgeschleppt?“
Das ‚mitgeschleppt’ betonte er, als müsse man das mit- eher gegen ein ab- austauschen. (AdA.: jeder gecheckt?*gg*)
„Ich hab zuerst gefragt.“ Grinste ich.
„Aber ich ham mehr gesagt."
„Na und? Dafür hab ich eine Schwester.“
„Und ich einen Kanarienvogel.“
„Und mein Zimmer ist direkt neben dem Bad.“
„Und ich hatte 'ne 5 in englisch.“
„Und ich hab ein T-Shirt aus London.“
„Ich hab ’ne Schallplatte von 1961.“
So ging das eine Weile weiter. Aber plötzlich ertönte ein Schrei hinter uns und im selben Moment schoss ein Pfeil mit schwarzen Haaren an mir vorbei und stürzte sich auf Mr. Wasserstoff.
„Andiiiiiiiiiiiiiiiiii!!!!“
„Bill – au – lass – mich- los!“ ertönte es erstickt von Andi (was ja anscheinend sein Name war) den man nur noch erahnen konnte unter dem Haufen, auf den sich jetzt auch noch ein etwas verschlafen wirkender Tom in Boxershorts(AdA.: wohlgemerkt BOXERSHORTS^^) geworfen hatte.
Womit hatte ich den Anblick dieser Wiedersehensfreude nur verdient?
Irgendwann ließen die beiden Brüder endlich von dem armen Häuflein Andi, das nur übrig geblieben war, ab und setzten sich neben uns.
„Na, das nenn ich eine Begrüßung.“ Grinste Andi, der sich den Nacken rieb „Übrigens, Tom, wer ist eigentlich DIE DA?“
Er deutete auf mich und grinste so versaut, dass ich fast schon Angst bekam.
„Die gehört nicht zu mir, die gehört zu David.“
„Was? Der fängt auch schon damit an?“
„Hallo?!“ rief ich laut dazwischen.
Die beiden lachten los.
„Ich meine, das ist Davids Tochter, sie wohnt jetzt hier.“ Korrigierte Tom sich schließlich.
„Ist ja cool! Ich hab mich schon richtig gut mit ihr unterhalten.!“ Grinste Andi und wir lachten.
Keiner von uns bemerkte den Blick, den Bill seinem besten Freund zuwarf.


Kapitel 8


Nachdem endlich alle aufgestanden waren und wir alle gefrühstückt hatten, kam Georg auf die außerordentlich geistreiche Idee, Strippoker zu spielen. Alle außer Bill waren damit einverstanden, da mein DAD sowieso wieder weg musste. Also spielten wir (also Tom, Georg, Gustav, Andi und ich) zu fünft. Das blöde an der Sache war nur, dass ich das einzige Mädchen war, denn Macy war noch ein bisschen zu jung um mitzuspielen, obwohl sie von der Idee total begeistert war.
Bin ich so eine schlimme große Schwester? XD
Ich machte mir nur so meine Gedanken und grinste vor mich hin. Irgendwann wurde ich an aus meinen meine-kleine-Schwester-war-in-ihrem-frühreren-Leben-einmal-eine-Nutte-Phantasien geweckt, als ich plötzlich ein Buch ins Gesicht bekam.
Ich schrie auf und kippe von der Wucht erst mal rückwärts um.
„Was sollte das denn?“ fragte ich mit säuerlicher Miene, als ich mir meine schmerzende Nase rieb und mich langsam wieder aufrichtete.
„Was soll ich denn machen, wenn du nicht mal auf Schreie reagierst.“ Verteidigte Tom (nur noch in Boxershorts) sich mit engelsgleicher Miene.
„Wovon haste denn geträumt? Von Bill?“ fragte Georg oben ohne mit riesigem Grinsen im Gesicht.
Wenn du wüsstest.
„Ich ähm...“ stotterte ich vor mich hin, ich konnte die anderen ja schließlich nicht vor diese schockierenden Tatsachen stellen.
„Jaaaaah????“
Es war echt ein scheiß Gefühl in vier grinsende Visagen zu sehen, die einen erwartungsvoll anstarren.
„Ich spiel nicht mehr mit.“ Schloss ich schließlich und sofort wich das Grinsen einer eher bestürzten Miene.
„Aber wieso? Verlierst du etwa?“ fragte Gustav.
„Nein, ich glaub, sie will nicht, weil Bill nicht mitspielt.“ Grinste Tom.
Schnaubend stand ich auf, presste ein :“Ihr seid so bescheuert!“ heraus und stapfte aus dem Zimmer.
An was die immer dachten.
Plötzlich stieß ich mal wieder mit jemandem zusammen.
„Man, fickt euch doch alle.“ Knurrte ich, als ich mich von Boden aufrappelte.
„Sorry.“ Sagte eine leise, leicht bedrückt klingende Stimme.
Ich sah auf und direkt in das Gesicht von Bill, der nicht gerade glücklich wirkte in dieser Situation.


Kapitel 9

Ich starrte ihn an. Mein Gehirn schien sich ausgeschalten zu haben.
Ich öffnete den Mund und –
„Man, was ist denn bei euch schon wieder los?“
Tom hatte den Kopf aus dem Wohnzimmer gesteckt.
„Was macht’n ihr aufm Boden?“ fragte er und hob die Augenbraue.
„Wir kochen, dass sieht man doch.“ Giftete ich und im selben Moment hätte ich mich für diesen Kommentar schlagen können.
Tom guckte mich eine Sekunde lang sprachlos an, dann prustete er los. Selbst Bill kicherte.
Ich spürte, wie ich rot wurde.
Na toll.
So schnell ich konnte, rappelte ich mich hoch und stampfte nach oben in mein Zimmer. Die Tür schlug mit einem lauten Knall zu.
„Fuck!“ fluchte ich und trat gegen einen der noch nicht ausgeräumten Kartons.
Danach ließ ich mich auf mein Bett sinken.
War ja irgendwie klar gewesen, dass ausgerechnet ICH mich wieder blamieren musste.
Kochen.
Wer kam denn bitte auf so einen Scheiß??
Es klopfte.
„Ja?“ ich war erschrocken, wie brüchig meine Stimme plötzlich klang. Hatte mich dass jetzt so aufgeregt?
Zu meiner Überraschung betrat Tom mein Zimmer. Ihn hatte ich jetzt als letzten erwartet.
„Hey.“ Meinte er und lächelte mich schief an.
„Hey.“ Antwortete ich nur und schaute zu Boden.
Das Bett sank leicht ein. Er setzte sich neben mich und legte eine Arm auf meine Schulter.
„Was ist denn los?“ fragte er und sah mich durchdringend an.
Ich schluckte.
Was sollte ich denn jetzt sagen?
„Ich...“ weiter wusste ich nicht. Was war eigentlich los?
Ich wusste es nicht. Ich wusste nicht, wieso ich mich so komisch benahm.
„Ist es wegen Bill?“ fragte Tom neben mir. Es klang aber weniger nach einer Frage, viel mehr nach einer Feststellung.
„Das weißt du doch.“ Flüstere ich fast.
„Ich will es aber von dir hören.“
„Und was würde das bringen?“ zickte ich wieder los.
Das bekannte Tom-Grinsen tauchte wieder auf.
„Naja, dann könnte ich versuchen, dir klar zu machen, dass es Bill genauso geht wie dir.“
Ich starrte ihn an.
Das war doch jetzt nicht sein Ernst.
Aber trotz seines Grinsen, waren Toms Augen waren vollkommen ernst.
Es WAR sein Ernst.
„Rede mit ihm. Ihr wärt ein süßes Paar.“ Grinste Tom mich an, klopfte mir auf dieSchulter und verließ den Raum.
Ich blieb zurück, noch verwirrter als davor.
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